Montag, 7. Januar 2013

Bethlehem-Jericho


Um 10.30 h haben wir uns mit den Shawans verabredet, die wir in 2011 nicht kennen gelernt haben, als wir „Beit Al Liqa“ in Beit Jala /Bethlehem zusammen mit einem Teil der Reisegruppe besuchten. Aber dieses Mal sind sie zu Hause, und Ekkehart hatte schon vor Beginn unserer Reise einen Kontakt zu ihnen hergestellt.
So bleibt uns jetzt nur noch Packen und Frühstück, dann verabschieden wir uns vom „House of Peace“-Hostel und machen uns auf den Weg.
Beit Jala gehört irgendwie zu Bethlehem, ist aber ein Stücken raus aus dem Zentrum. Die Straßen haben extreme Gefälle, und heute rauscht mangels einer guten Kanalisation das Wasser sturzbachartig die Straßen hinunter – not my favorite! Ich habe die ganze Zeit Angst abzustürzen, weil es so steil ist. Ekkehart freut sich, ich kann ihn allerdings zweimal davon abbringen, von zwei Möglichkeiten die extremere zu wählen...
Das „Beit Al Liqa“ liegt wunderschön inmitten einer grünen Oase. Das Haus wird für soziale Hilfe, Jugend-und Kinderarbeit und Frauengruppen genutzt, außerdem gibt es ein angeschlossenes Gästehaus.

Wir freuen uns, endlich Marlene und Johnny Shawan persönlich kennen zu lernen. Während wir bei ihnen im Wohnzimmer sitzen und gemütlich Kaffee trinken, tobt draußen ein Unwetter, sogar mit Hagel! Es ist draußen extrem ungemütlich. Wo kann man hin, ohne im Siffwetter unterzugehen?

Nachdem wir Johnny und Marlene diesbezüglich etwas ausgefragt haben, entschließen wir uns, nach Jericho zu fahren.

Und so geschieht es. Unterwegs ändert sich das Wetter etwas, und als wir in die Zone unterhalb des Meeresspiegels kommen, ist das Wetter besser, vor allem wärmer, und auch nicht so regnerisch wie in der Wettervorhersage im Internet angekündigt war. Es sieht aus, als wenn das eine gute Entscheidung war. Wir grasen ein bisschen die Umgebung ab, das St. Georgskloster hat leider schon geschlossen, als wir dort ankommen, aber hier um Jericho gibt es auch noch andere historisch interessante Orte. Es liegt vor allem richtig schön in der Wüste, rundherum sind Felsen, die Wüste ist hier allerdings etwas grüner als unten im Makktesh Ramon.
Durch den Regen und der anschließend durchbrechenden Sonne bedingt haben wir heute zweimal einen wunderschönen Regenbogen sehen können, der sich über die Berge schwang – schöööön!

Inzwischen sind wir nun doch erst mal in einem Hotel gelandet und warten auf besseres Wetter, werden heute außer lesen etc. nichts mehr unternehmen, sondern morgen mal schauen, ob wir noch zu den verschiedenen historischen Orten ringsherum gehen, die an die biblischen Zeiten erinnern – je nach Wetterlage.

Sonntag, 6. Januar 2013

Bethlehem feiert Weihnachten


5.1.2013

Heizung gibt es hier nicht. Und es ist leider ziemlich kühl geworden. Man kann am besten im Bett liegen bleiben, da ist es warm J
Nein, natürlich nicht. Wir stehen auf, es gibt gleich Frühstück. Wir werden gut versorgt und sind dankbar, dass es hier ein typisches arabisches Frühstück gibt.
Dann machen wir uns – nach einigen Email-Checks – auf die Socken und erstürmen Bethlehem City. Solange die Sonne scheint – tatsächlich scheint sie noch – bummeln wir durch die Nebenstraßen des Old Market. Später, als das Wetter schlechter wird und es auch zu regnen beginnt, halten wir uns überwiegend in der Geburtskirche auf.
Es ist ein ganz anderes Gefühl, für niemanden verantwortlich zu sein, sondern nur für sich selber zu gucken, alles auf sich wirken zu lassen und viel Zeit dafür zu haben. So kann es gelingen, trotz Menschenmassen  auch meditative Momente zu haben.
Eine besonders lange Zeit bleiben wir in der Geburtsgrotte, zunächst aus rein pragmatischen gründen, denn es ist dort schön warm, doch dann auch der Atmosphäre wegen. Die Menschen drängen herein, halten sich allerdings eher am Stern, der angenommenen Geburtsstätte und an der Krippe auf und werden im Prinzip relativ schnell im Eiltempo von ihren Reiseleitern durchgeschleust.
Wir hocken uns einige Zeit in die kleine Grotte mit der Krippe, in der sich  tatsächlich mal eine Baby-Christusfigur befindet. Plötzlich erscheint eine Delegation mit Männern in Anzügen, für die mal eben ruckzuck die Grotte geräumt wird. Wir halten uns unauffällig im Hintergrund auf, bleiben still in der Grotte an der Krippe hocken und werden auf diese weise „übersehen“. So können wir mit ansehen, wie diese Delegation eine kurze Führung und Erklärung der Grotte bekommt und der „Chef“ dann für ein effektvolles Foto an der Krippe nieder kniet (und damit auch vor uns, wir hocken daneben J). Keine Ahnung, wer das war.
Doch der Renner ist dann eine nigeriansche Gruppe, die sich anschließend in die Grotte drängelt. Ekkehart hofft angesichts so vieler schwarzer Christen auf einen Spontan-Worship in der Grotte, doch die Armen haben keine Chance. Ihr Guide ist einfach zu streng mit ihnen: „Please, my group from Nigeria, listen: right ist he birth, left is the manger; see, touch and leave – two by two. Don´t remain! See, touch and leave! Be carefull!“ Das leiert er immer wieder runter, und die andächtige Stille und das leise Gemurmel, die bisher hier geherrscht haben, werden durch seine durchdringende Stimme zunichte gemacht.

Um 11.30 h soll es eine Prozession geben. Irgendein Würdenträger wird erwartet. Wir wissen nur nicht, wer. Ekkehart spricht einen Orthodoxen an: „What will happen here?“ Und der antwortet: „Nothing!“ Wie: nothing? Hier ist der Bär los, verschiedene Vorbereitungen sind in vollem Gange, und er meint „nothing“? „Only a celebration of a mess like every day.“ Na, das wüssten wir aber!
Was geht hier? Irgendwann spaziert der orthodoxe Patriarch mitsamt seiner Gefolgschaft feierlich durch die ganze Kirche und baut sich gegenüber dem kleinen Eingang von innen in der Geburtskirche auf. Die warten doch auf was? Sofort scharen sich die Menschenmengen – wir auch – um sie herum, müssen allerdings mithilfe der offiziellen Ordnungshüter noch etwas sortiert werden, bis wir alle so stehen, dass sie zufrieden sind. Wer die Regeln übertritt, muss mit einem Verweis rechnen. Es wird gewartet.
Interessant ist die Anordnung: Sie stehen so, dass andere ankommende Personen – also eine zu erwartende Delegation oder so was – nicht in die Geburtskirche hineinkommen, sondern nach links in die katholische Kirche abgeleitet werden.
Langsam fangen wir an zu verstehen, was mit „Nothing“ gemeint ist.
Es erscheinen dann bald einige Offizielle, gefolgt von einer größeren Gruppe von Franziskaner-Mönchen und einer Reihe katholischer Würdenträger. Und sie alle ziehen an den Orthodoxen vorbei in die katholische Kirche nach „nebenan“.

Mit Gesang wird eingezogen, wir immer hinterher – aber die Orthodoxen drehen um und bleiben in der Geburtskirche. Nach den Gesängen spricht der Offizielle – in Zivil, es ist nicht erkennbar, welche Art von religiöser Würdenträger er ist. Ist er vielleicht auch nicht. Das Ganze sieht eher nach einer politischen Aktion aus, scheint auch keine geistliche Rede zu sein, die er hält. Denn danach sit dann plötzlich Schluss. Das Fernsehen ist dabei (Franzikaner-Medien-Centrum), ein Blitzlichtgewitter ohne Ende – die Show ist zu Ende. Wir beeilen uns, wieder in die Geburtskirche zu kommen, um zu sehen, was hier eigentlich läuft. Tatsächlich „nothing“. Oder ihre Messe ist auch schon zu Ende.

Annahme: Die Orthodoxen wollen nicht eine weltliche Prozession in „ihrer“ Kirche haben, gestatten zwar den historischen Eingang durch die Geburtskirche, sorgen aber für eine Umleitung in die katholische Kirche nebenan...
Das Ganze wird dann sicher damit gerechtfertigt, dass in der katholischen Kirche mehr Platz sei und mehr Menschen an dem Spektakel teilnehmen können...

Inzwischen hat draußen der Regen zugenommen. Und die Schlange vor dem Eingang zur Geburtsgrotte ist unglaublich! Wir denken erst, wir könnten uns ja noch mal von der anderen Seite (eigentlich dem Ausgang) wieder hineinschmuggeln, doch das klappt dann irgendwie nicht.

So verlassen wir die Geburtskirche und planen eine nächste Aktion. Unsere Quartiergeber haben uns das Herodium empfohlen. Ekkehart ist dort vor vielen Jahren mal mit einer Reisegruppe gewesen. Es liegt auf einem größeren Hügel oder Berg direkt vor Bethlehem. Also machen wir uns auf zu diesem historischen Monument. Es ist eine Festung des Herodes, die er sowohl um sich zu verteidigen als auch als Versteck erbaut hat. Auf dem Herodium regnet es nicht. Hier scheint so eine Art Wetterscheide zu sein. Die Sonne scheint, es herrscht ziemlich starker Wind – aber es ist trocken. Mit dem Aufstieg beeilen wir uns, weil wir immer noch denken, es regnet vielleicht noch. Bei dem vorgegebenen Rundgang gibt es auch einen Abstieg in einen Tunnel. Vor uns verschwindet gerade eine amerikanische Reisegruppe dort. Wir also hinterher. Das stellt sich als ein längerer Gang heraus, hier befinden sich die Zisternen des Herodiums.
Am Ende des Rundganges schauen wir uns noch einen Film an. Er sei aber auf hebräisch, wird uns gesagt. Egal, die Bilder sind bestimmt auch ohne Verstehen schön. Es ist dann doch eher ein Spielfilm, der diese Zeit des Herodes, eher die um seinen Tod herum, darstellt.
Ein interessanter Ausflug!

Wieder zurück in Bethlehem, landen wir in einem der arabischen Viertel, wo wir eine ausgesprochen leckere Falaffel  verzehren J.
Anschließend finden wir uns zwecks Pause und Emails wieder in unserer Unterkunft ein. Unsere Gastgeber freuen sich und ein ausführliches Gespräch ist unerlässlich. Aber auch Familienfotos werden besichtigt und ein bisschen Familiengeschichte ausgetauscht.
Man hat gar nicht das Gefühl, in einem fremden Hostel zu sein, denn da in den Gesprächen auch immer wieder unser gemeinsamer Glaube eine Rolle spielt und sie spürbar aus dem Glauben leben, empfinden wir sie stark als Geschwister und sie uns auch. Wir sind einander „brother“ und „sister“.

Zum Abendessen ziehen wir dann nochmal los, und auf der Suche nach einem gemütlichen und warmen Restaurant landen wir doch wieder bei unserem gestrigen Restaurant, dem Casa Nova. Der nette Kellner von gestern kommt uns wieder mit seinen etwas humoristischen Anflügen, es ist bereits ein Spielchen. Außerdem sitze ich mit dem Rücken zu einem offenen Kamin – wunderbar! Hier genießen wir das Ende dieses Tages und kommen gegen 22 Uhr in unser Hostel zurück.

Morgen ist Weihnachten!!! J

6.1.2013

Weihnachten in Bethlehem! Ein interessanter und nostalgischer Gedanke, auch wenn wir unser Weihnachtsfest bereits hinter uns haben.
Nach dem frühstück geht es auf zur Geburtskirche. Von unserem Quartier aus sind das jedes mal ca. 600 m, also nicht weit und gut per Fuß zu erledigen. Bisher ist auch von dem vorhergesagten regnerischen Wetter nichts zu merken. Es ist zwar kalt, aber trocken mit teilweise etwas Sonne.

Laut Plan, den wir gestern bei der Touri-Info bekommen haben, läuft jetzt hier den ganzen Tag lang bis spät in die Nacht hinein „was“. Im Laufe des Tages stellen wir allerdings fest, dass es anscheinend wieder nur eine deutsche Tugend ist, dass angesagte Dinge pünktlich beginnen. Und dazu kommt hier noch ein fröhliches orientalisches Chaos. Das macht sich besonders in der Organisation bzw. Planung solcher Großereignisse bemerkbar. Denn alles, was sich vor unseren Augen abspielt, hätte durch bessere Vorplanung vermieden werden können.
Vor dem Eingang zur Geburtskirche (diejenigen, die das kennen, erinnern sich vielleicht an den großen platz vor dem Eingang) sind jede Menge Absperrgitter aufgestellt und werden von ebenso vielen Polizisten bewacht. Dann fahren als nächstes eine größere Menge an Taxen in diesen Bereich hinein, solange, bis alles zugestellt ist. Und dann passiert, was man sich doch hätte denken können: Als nächstes trudeln mehrere Karossen mit Ehrengästen ein und wollen auch dort hinein. Man versucht, sie auf den nächsten Parkplatz hinzuweisen. An dieser Stelle wünschte ich, die Leser dieses Berichtes hätten Ekkeharts begleitende Kommentare zu dem Verlauf der Ereignisse hören können... J
Denn die Fahrer der Luxuskarossen scheren sich nicht um das Gefuchtel der „Parkanweiser“, sondern fahren einfach hinein zwischen die Taxen, nach dem Motto: Rein kommt man immer! Über das „Raus“ scheint sich hier allerdings niemand Gedanken zu machen. Alles wirkt doch recht planlos.
Da vor dem Eingang zur Geburtskirche inzwischen wieder eine unübersehbare Menge von Menschen steht und in Ekkeharts Persönlichkeitsprofil das Wort „Schlange stehen“ nicht vorkommt, geht er zielgerade rüber zu den Franziskanern, hinein in den Eingang „ihrer“ Kirche, dann noch zwei, drei Abkürzungen und – schwupps – sind wir drin in der Geburtskirche! Ich bin wieder mal verblüfft, mit welcher Selbstverständlichkeit er solche Aktionen durchführt. Ich hätte nicht mal den Weg gefunden J
Genau dasselbe geschieht dann am Eingang zur Geburtsgrotte: Es gibt einen offiziellen, den rechten Eingang, an dem eine immer währende Schlage steht, die nicht selten durch die ganze Geburtskirche reicht, und dann gibt es noch den offiziellen (linken) Ausgang. Was aber kaum jemand weiß: Hier stört es anscheinend niemanden – und es kümmert sich auch keiner – wenn mann den Ausgang auch als Eingang benutzt. Und hier stehen auch immer nur ein paar Vorwitzige, meist kaum ne Handvoll, zu denen wir dann auch gehören und jederzeit, wann immer wir wollen (außer es ist grad einer der kirchlichen Würdenträger dort drinnen) wir hier rein und rausspazieren. Denn die Grotte ist der einzige Ort der ganzen Kirche, an dem es richtig warm ist. Und das brauchen wir im Laufe des Tages ein paar mal.
Verschiedene Spektakel, die für uns etwas undurchsichtig bleiben, spielen sich dann draußen vor unseren Augen ab. Auf dem großen Platz (Manger Square) ist eine riesige Bühne mit einem roten Teppich aufgebaut. Irgendwann zieht der erste Spielmannszug – ein Dudelsackpfeifferumzug – mit einem lauten Gedudel und Getrommel um die Geburtskirche herum. Später merken wir: Das ist nichts religiöses, sondern einfach ein Happening für das Volk. Aber den Einzug der Kopten begleiten sie bis zum Eingang der Kirche.

Die Kopten gehen dann allerdings nur durch den kleinen offiziellen Eingang der Geburtskirche, aber da sie unter der Hoheit der Orthodoxen steht, biegen sie nach rechts ab und steigen in die Höhe zu ihrem koptischen Bereich. Wir immer hinterher, denn Ekkehart will sehen, was hier läuft. Nach einigen Treppen kommen wir in den Klosterteil der Kopten, wo dann eine Art Empfang statt findet. Ich fühle mich mit unseren Ostfreisennerzen gegenüber den festlich gekleideten Herren in Schwarz und den nerzgeschmückten Damen auf Highheels restlos „underdressed“, aber so was von! Ekkehart indessen genießt die Szenierie ganz offensichtlich und es stört ihn überhaupt nicht, wie wir aussehen! Ich drücke mich in eine Ecke und warte, bis Ekkehart zuende genossen hat...

Dann sind wir erstmal wieder draußen. Der rote Laufsteg ist anscheinend nur für die Fotografen da, denn ansonsten passiert da nicht viel, auch nicht im Laufe des Tages. Der Platz ist voll mit palästinensischen Polizisten, die pausenlos irgendwas regeln, fragt sich nur was. Und ständig wird irgendwas umgestellt und Absperrgitter von hier nach da geschleppt und neue Parcours aufgebaut...Und eigentlich darf man da nicht durch, aber auch das interessiert anscheinend nicht, denn wenn man einfach durchgeht, stört das auch niemanden.

Ab 13 Uhr und dem Genuss einer sehr leckeren Falafel steigen wir in den Gottesdienst der Orthodoxen mit ein, der in der Geburtskirche stattfindet. Das ist ein prunkvolles Unterfangen! Doch bei allem äußeren Schmuck bleibt dauernd der Eindruck, dass auch hier das Chaos herrscht. Die Besucherzahl ist nicht so hoch, wie wir angenommen haben, sie beschränkt sich im Grunde auf den vorderen Teil der Geburtskirche; vielleicht waren es 200 Menschen? Ekkehart hat es geschafft, sich wieder an die vorderste Front zu schmuggeln und nun mitten im offiziellen Teil des Geschehens zu stehen, ich ganz bescheiden immer neben ihm. Dadurch bekommen wir ein paar echt gute Schnappschüsse. Fotografieren darf man, bis der Arzt kommt. Die Würdenträger fotografieren sogar selber. Zwischendurch zieht immer mal einer ein Fotohandy aus der Kutte und macht ein Foto.

Am Rande des orthodoxen Gottesdienstes, der drei Stunden dauert, finden in den kleinen Altären gleichzeitig andere Gottesdienst statt. Das eine sind die Kopten, das andere können wir nicht ausmachen. Und sie sind laut und stören sich im Prinzip gegenseitig.
Es gibt ein paar lustige Momente, die man beobachten kann. Mitten in der feierlichen Zeremonie der Kopten klingelt ein Handy, man sieht, es ist einer der drei in weiß gekleideten Priester, er geht beiseite und telefoniert erst mal...
Oder: Einer der Orthodoxen mit einer spitzen Kopfbedeckung hat keinen Bock mehr und kann nicht mehr stehen (wie ich übrigens auch nicht, aber ich muss ja nicht und habe mich deshalb auf eine Steinmauer gesetzt). Ja, er setzt sich dann daneben und spielt die ganze Zeit mit seinem Handy. Wenn wieder was Offizielles passiert, springt er auf, steht stramm und setzt sich, sobald die Offiziellen an ihm vorbei sind J

Gegen 15 Uhr ist Schluss, wir gehen zu dem Katholiken nach nebenan. 

Hier singt ein Chor, was schon mal schön feierlich ist J
Wir bekommen eine Liturgie in die Hand gedrückt und können das Lateinische zumindest mitlesen.  –die Messe ist so gut wie am Ende, wir bekommen vielleicht noch 20 Minuten mit. Das wäre alles weiter kaum erwähnenswert, wenn nicht während eines der Chorlieder plötzlich in der Reiheneben uns ein junges, wohl koreanisches Mädchen aufgesprungen wäre und sich tanzend und drehend zum Altarbereich begeben hätte. Sie machte das sehr hübsch und dezent, aber – sie drehte sich halt vor dem Altar, hinter dem alle katholischen Würdenträger saßen. Diese schauten übrigens ganz wohlgefällig zu. Als der für die Messe Verantwortliche aus seiner Erstarrung erwacht, wird er tätig und räumt das Mädel ab. Das ist nicht ganz einfach, denn er will sie offensichtlich nicht anfassen und sie dreht einfach immer weiter. So treibt er sie drehend vor sich her, bis sie wieder am Ende unserer Sitzreihe landet und sich dort niedersetzt...

Nach der Messe gehe ich auf sie zu und sage ihr, dass ich ihren Tanz sehr hübsch fand. Sie bedankt sich und sagt, das wäre „Tanzen im Geist“ (because oft he Holy Spirit) gewesen. Ich antworte, dass ich mir das gedacht habe und sie meint nur noch: Na, das wäre hier wohl nicht erwünscht...Richtig! J

In der Geburtsgrotte während einer unserer Aufwärmphasen haben wir eine Begegnung mit einer sehr missionarischen Nonne. Sie stamme aus Australien und sei griechisch-orthodox, sagt sie. Sie lebt seit vielen Jahren in Bethlehem. Doch wichtiger als ein Smalltalk ist ihr die Verbreitung ihrer Mission. Sie hat irgend so einen gebildeten Mönch gelesen, der die orthodoxe Szene radikal verändern würde, sagt sie. Und dann erzählt sie von seinen Ideen, seinen Büchern und wie sehr sie diesen Ideen folgt. Also sie redet eigentlich pausenlos. Keine Ahnung, wie lange das noch gegangen wäre, doch wir werden aus der Grotte allesamt hinausgebeten, weil jetzt einer der orthodoxen Würdenträger hier beten wolle.

Gegen späteren Nachmittag machen wir den Fehler, die Geburtskirche einfach mal für eine Zeit zu verlassen. Wir wollen was essen, tun das auch – kommen aber dann nicht wieder hinein. Alles ist abgesperrt, der Aufwand an Polizei und Soldaten hat sich noch mal extrem gesteigert. Wir brauchen einige Zeit, bis wir herausfinden, dass  der Präsident Mahmud Abbas der Palästinenser hier heute zum Weihnachten feiern bei den Orthodoxen kommt. Die Äthiopische Kirche will heute auch noch feiern, kommt aber gar nicht bis zu ihrer Kirche durch, als schließlich tatsächlich der Präsident mit einem großen Konvoi zum Hintereingang der Geburtskirche fährt, der neben dem Eingang zur äthiopischen Kirche liegt.

Als die Äthiopier endlich durch die Absperrungen dürfen du zu ihrer Kirche sprinten, rennen wir mit, sind dann allerdings die einzigen Weißen und kommen auch gar nicht in die kleine Kirche hinein, die wegen Überfüllung nicht begehbar ist. Also drehen wir wieder um, haben noch einen kleinen Smalltalk mit einem moslemischen Shopbetreiber, der über seine schlechten Geschäfte klagt und uns einen Becher Chrismas Wine spendiert und wandern dann, weil wir immer noch nicht in die Geburtskirche wieder hineinkommen, zu unserem Quartier zurück.

Unsere Gastgeber freuen sich und zeigen uns ein kleines Video von ihrer Hausgemeinde und der Arbeit, ihres Sohnes, der sie sich verbunden fühlen. Wir bekommen heißen Pfefferminztee und eine leckere Paste, die wir kosten sollen, erledigen noch ein bisschen Post und sichten unsere bisherigen Fotos, und setzen uns dann in unser Zimmer ab, um den Tag mit der Hörbibel ausklingen zu lassen...

Freitag, 4. Januar 2013

Auf in die Wüste!

Auf mehrfache Nachfrage nutze ich die Gelegenheit, aus unserem Quartier in Bethlehem den ersten Post meines Reisetagebuches zu veröffentlichen.

31.12.2012

5.30 h: Der Wecker klingelt. Ich war schon 2 Minuten vorher wach. Gut, dass es losgeht, denn wie immer vor solchen Aktionen hab ich nicht besonders geschlafen J

Letzte Handgriffe in der Wohnung, damit Marcus und Miriam, die die Wohnung 2 Wochen nutzen werden, nicht total von unserem Chaos erschlagen werde – dann geht es um 6.15 h los. Hanna kommt mit zum Düsseldorfer Flughafen, um das Auto wieder mit zurück zu nehmen. Am Flughafen geht alles erstaunlich schnell.
Die übliche Kofferkontrolle fällt irgendwie aus, auch die übliche Befragung vor einer Israelreise. Das lief im letzten Jahr mit der Gruppe aber noch ganz anders...

Egal, wir sitzen dann ziemlich schnell im Abflugbereich und haben nun noch jede Menge Zeit.
Im Flugzeug: Man lernt nie aus, und besonders interessant sind doch immer wieder unsere Mitmenschen! In unsere Dreierreihe  kommt noch eine gut vollschlanke Fünfzigerin, um sich auf den Fensterplatz zu zwängen – neben mich.

Sie hat irgendwie einen spanischen Akzent, spricht auch eher englisch als deutsch. Als das Flugzeug startet, bekreuzigt sie sich neben mir, faltet die Hände und murmelt ein Gebet...
Wenn das alles gewesen wäre, wäre eine Erwähnung nicht der Rede wert. Doch die Geschichte nimmt ihren Fortgang. Wir sind kaum n der Luft, wird, wie immer, ein Snack angekündigt. Das Sandwich sei umsonst (for free), ein Menü müsse gezahlt werden. (Billigflieger!) Alles gut. Die Crew beginnt mit ihrer Arbeit. Als die Wagen bereits in den Gängen feststecken, möchte unsere Spanierin aufs Klo. Dazu müssen Ekkehart und ich aufstehen. Wir stehen kaum, da wird deutlich, dass sie dort nicht mehr hin kommt- die Mahlzeitenausgabe ist bereits in Gange. Okay, dann wieder hinsetzen; es gibt Wasser und Säfte, alkoholische Getränke kosten extra. Unsere Freundin nebenan bestellt erstmal zwei Gläser Sekt – man gönnt sich ja sonst nichts! Sandwich for free? Ja, gerne. Aber dann bitte  auch noch ein Menü, das Frühstücksomelett für 6,50 €.
Also, das Sandwich ist schon ziemlich kompakt: Ein Vollkornbeagel mit Käse. Macht gut satt! Aber – frau kriegt auch noch mehr rein...mit zwei zusätzlichen Gläsern Sekt, und dann nochmal zwei, bitte. Hui, das wären dann schon 6 Gläser Sekt! Einige Zeit später – eine Ladung hat sie schon zur Toilette gebracht – nochmal zwei Gläser Sekt. Sind jetzt 8! Beim Bezahlen kriegen wir mit, dass der Sekt frei ist – nur für sie speziell? Sie zahlt nur nämlich ihre 6,5o €, spendiert aber zusätzlich 20€ für die Crew! Aha, wer sitzt da eigentlich neben uns? Oder: War das Bestechung?
Werden wir sicher nicht unbedingt herausfinden...
Die Geschichte nimmt ihren Fortgang. In schneller Abfolge kippt die Lady sage und schreibe weitere 5 Gläser Sekt hinterher. Erstaunlich, dass sie den immer wieder bekommt, denn es kann doch nicht unbemerkt bleiben, dass sie sich gerade sinnlos betrinkt! Bei den letzten zwei Gläsern nimmt Ekkehart den Flugbegleiter diskret beiseite, um darauf hinzuweisen, dass es keine gute Idee sei, unserer Lady ein Glas Sekt, und meist im Doppelpack, nach dem anderen zu servieren, man sieht doch, wohin das führt. Doch dieser meint nur mit einem Blick auf sie, das würde man während der Bedienung nicht so mitkriegen... Wer´s glaubt! Sie hat trotz ihrer Volltrunkenheit dieses kleine Gespräch mitgeschnitten oder erspürt – jedenfalls fühlt sie sich gemüßigt, mir erst mal lang und breit zu erklären, dass sie keine Alkoholikerin sei, sondern lediglich panische Angst vor dem Fliegen hätte. Sie ist übrigens kaum in der Lage, richtig zu sprechen, das klappt nicht mehr so gut. Ich habe erwidert, dass es gegen Flugangst ja auch Medikamente gäbe, doch darauf ging sie nicht ein.
Tja, was soll ich sagen! Das letzte randvolle Glas ließ sie dann stehen, weil sie nicht mehr in der Lage war, es zum Mund zu führen. Bereits ziemlich distanzlos und ohne Gefühl für mich fuhrwerkte sie dann auf ihrem Sitz herum, bis sie mit einigen Zuckungen plötzlich einschlief – das randvolle Glas immer noch vor sich hin. Wir sahen das Glas schon kippen und sich auf meinen Rock ergießen, und es grenzte an ein Wunder, dass das nicht geschah. Als sie wieder aufwacht bzw. sich etwas heftiger rührt, kann Ekkehart das Glas gerade noch auffangen, nimmt es ihr weg und bringt es der Crew mit dem Hinweis auf den Zustand der Lady. Die Crew scheint das immer noch nicht besonders ernst zu nehmen. Man nimmt ja niemanden mit an Bord, der betrunken ist, aber an Bord darf man sich sinnlos betrinken!?

Nach der Landung in Tel Aviv bleibt sie sitzen – sie konnte auch gar nicht aufstehen. Wir haben das Flugzeug verlassen, ohne nochmal zurückzusehen, weil wir irgendwie keinen Bock hatten, womöglich auch noch vollgekotzt zu werden...

Wie sie die da rausgekriegt haben, wissen wir nicht. Sollen ihre Suppe doch auslöffeln, die sie sich mit dem maßlosen Verteilen von Sekt „free“ eingebrockt haben...

Tel Aviv: Wir holen unseren Mietwagen, dann hinaus an die israelische Sonne! Wärme! Es ist der 31.12., es ist Silvester, und es ist warm!!!!

Jetzt fahren wir durch´s Land Richtung Wüste, mit leerem Magen, aber richtig glücklich. Beer She´eba ist das nächste Ziel. Dort kaufen wir ein, um dann noch unser Camp zu erreichen...
Es wird schnell dunkel, allerdings etwas später als zu Hause. Die Landschaft eitd wüstenhaft schön, felsig. Wir passieren bekannte Orte, die Ben Gurion-Stätten – endlich sind wir in Mizpe Ramon. Jetzt beginnt der spannende Moment, wie und ob wir das Camp vorfinden, ob wir da übernachten können...

Die Strecke dorthin ist länger als wir es in Erinnerung haben. Besonders die letzte Strecke, die eigentlich nur noch 5 km sind und ohne Asphaltstraße, ist dann nur noch mit 30 km/h zu befahren und dauert entsprechend lange.

Gegen 19 Uhr haben wir unser Ziel erreicht. Der erste Eindruck: Zum einen ist es stockfinster, zum anderen wimmelt es hier von Jugendlichen. Ein riesiger Lastwagen steht vor einem großen Zelt, es ist ein Verpflegungsfahrzeug, wie wir später sehen. Und dann noch ein, zwei Busse. Wir werden von einem Camp-Mitarbeiter angesprochen. Ja, wir wollen hier bleiben. Er stellt uns in Aussicht, dass die Jugendlichen heute noch abziehen und es dann leiser wird J Wir haben doch gar nicht gemeckert!
Er weist uns eine Zelteinheit zu, stellt uns Matratzen – alles andere haben wir mit. Essen gibt es hier nicht im Campground. Und er ist erleichtert zu hören, dass wir unser Essen dabei haben.

Wir richten uns ein, dann wird getafelt: Fladenbrot, Hommos, Käse, schwarze Oliven, Wein.... was braucht der Mensch mehr!?

Es wird deutlich kühler, seit die Sonne weg ist. Doch unsere Schlafsäcke halten das alles aus, und diese erste Nacht unter Wüstenhimmel ist idyllisch,  auch wenn wir nicht durchschlafen. Es ist einfach nur schön!

1.1.2013 

Mazel tov! Neujahr! Wir haben es verschlafen. Na und? Wir sind in der Wüste, und die Sonne holt uns aus den Schlafsäcken.
Der erste Sabbattag beginnt mit einem israelischen Frühstück. Nur der Kaffee fehlt. Da müssen wir noch dran arbeiten.

Lesen, chillen, Hörbibel...

Auch so kann ein Tag vergehen J
Wetter: Tagsüber wird es schön warm, besonders in der Sonne, nachts geht es gut runter mit der Temperatur...

Wir ernähren uns immer noch von unserem ersten Einkauf. Alles gut, bis wir zu unserem Abendessen kommen. Wir hatten im Campground-Kühlschrank Hommos und Käse eingelagert. Wo ist die Tüte? Weg! Geklaut? Uns war schon in der vorigen Nacht eine Wasserflasche gemopst worden, die wir vor unserem Zelteingang stehen ließen...und jetzt das?
O schade, hatte mich auf das leckere Sesam-Mus gefreut...
Auf Nachfragen an der „Rezeption“ (das kann man kaum so nennen, deshalb die Anführungszeichen) wird mir erklärt, dass es sein könnte, dass das Essen mit den Resten der Gruppe, die vor uns war, aus Versehen entsorgt worden sein könnte... Ne, nä?

Okay, vertrösten wir uns auf morgen, dann fahren wir nach Mizpeh Ramon, um nachzurüsten... Das Abendessen fällt noch gut aus, zum Frühstück bleibt nicht mehr viel.

Ein Phänomen: Da es ja auch irgendwie schnell dunkel wird, kann man nicht mehr viel machen. Hörbibel ist da grad das Richtige, doch um 21 Uhr (!) kriechen wir beide bereits in unsere Schlafsäcke. Es wird kalt, da kann man nur noch im Schlafsack weiter existieren...
Ich glaube, ne halbe Stunde später bin ich eingeschlafen J

02.01.2013

Die Morgensonne kitzelt die Nase – aufwachen! Das ist schön: Die Sonne geht direkt vor unserem Zelteingang auf, und sofort ist auch ein bisschen Wärme da. Wenn man hier duschen will, muss man vorher Bescheid sagen, dann wird das Wasser angeheizt. Heute wollen wir. Zu meiner Überraschung ist das Wasser dann auch richtig schön heiß – wunderbar! Und nachher fühlt man sich so schön frisch J
Nach unserem kargen Frühstück mit trocken Brot und Wasser (und für mich noch ein kleines Beefi) machen wir uns fertig für unseren Shopping Trip nach Mizpeh Ramon. Das ist nicht ganz unaufwendig, denn der Trip durch die Wüste ist zwar nicht sehr lang (ca. 5 km), aber dafür holperig und nur langsam zu bewältigen. Doch heute können wir die Gegend so richtig genießen, denn bei der Ankunft war es ja dunkel. Auch den „Aufstieg“ über die dann asphaltierte straß genießen wir sehr, und sind dann auch bald da.

In Mizpeh R. finden wir nach einigem Rumfahren dann einen Supermarkt und decken uns hier ein. (Später im Camp merken wir dann, dass wir den Käse wohl an der Kasse liegen gelassen haben...Wir sollen wohl keinen Käse essen!!! Erst ist er geklaut, und jetzt nicht mitgekommen...)

Dann sehen wir da so eine kleine „Restaurantmeile“, also das ist eigentlich auch noch übertrieben. Vier kleine Imbisse nebeneinander, davon gibt´s in dem einen  Kaffee. Also, danach ist mir jetzt wirklich!
Und als wir davor sitzen, stelle ich via iPhone fest, dass eines der Imbisse freies WLAN hat. Also nichts wie ran und mal gucken, was die Welt macht!

Ekkehart holt seinen Laptop aus dem Auto und sichtet einige Mails, unter anderem auch deswegen, weil wir noch auf die Antwort der Shawans in Bethlehem warten, ob wir uns mal treffen können. Ja, die Antwort ist da, und das Treffen kann stattfinden!

Ja, und ein kleiner Post auf FB muss natürlich auch sein J Unsere kleine Welt in Germany soll wissen, dass es uns gut geht!

Anschließend genießen wir noch die Sonne und den Blick auf den Krater, in dem wir derzeit leben. Hier haben wir vor eineinhalb Jahren mit der Reisegruppe gestanden! Aber heute unter anderen Witterungsbedingungen. Damals war es so heiß, dass die meisten Schatten suchten und den interessanten Ausführungen unseres Reiseführers nicht lauschen konnten J.

Zurück im Campground wird erst mal fürstlich getafelt J Und dann wieder weiter in unserem „Sabbatprogramm“ mit Stille, lesen – nach dem Tagebuchschreiben J

Wenn man hinter unserem Zelt auf den Hügel steigt, sieht man am Horizont die Sonne versinken. Das gönnen wir uns heute – schön! Danach gibt´s unser Abendessen – und weiter geht´s mit Hörbibel und lesen...

Neben uns (hier wird ein Raum vom anderen ja nur mit einer Plane abgehängt) ist ein französisches Pärchen eingezogen. Meine Güte, die haben Spaß miteinander! Sie kommen zur Schlafensgehenszeit vor lauter Gekicher nicht zur Ruhe...

3.1.2013

 Wüstentag Nr. 3: Heute bin ich eher wach, aber bloß, weil mein Bläschen drückt. Und es ist einfach noch zu frisch draußen, als dass die Vorstellung, aufs Klo zu gehen besonders verlockend sein könnte. Na, irgendwann geht´s dann nicht mehr anders. Im Lager herrscht bereits Leben kurz vor sieben...

Na, dann wollen wir auch mal...

Da aber bereits beim Frühstück schon wieder der Schaufelbagger in vollem Gange ist, packen wir unsere Siebensachen und fahren weiter in die Wüste hinein, um ein ruhiges Plätzchen zu finden.
Die Wüste hat was, das muss man wirklich sagen!

Wir haben unsere Decken mit und platzieren uns irgendwo in die Landschaft hinein, um zu lesen und zu meditieren. Hier ist es – bis auf die ständigen Militärflugzeuge, die über den Krater hinwegdonnern, relativ ruhig.

Am späten Mittag kommen wir zwecks Essen zurück. Da ist es auch im Camp ruhig geworden – bis eine Horde der Kinder Israels einfällt, um eine kurze Rast zu machen und aufs Klo zu gehen. Aber auch das geht vorbei.

Den Rest des Tages ist es sehr still. Wir sind zur Zeit die einzigen Gäste und genießen das gerade mal... J

Erst gegen vorgerückten Nachmittag erscheint ein Waldschrat mit seinem Hund. Luca heißt er. Man hat ja schon ne Menge Hunde und ihre Herrchen beobachten können; aber dieser ist einer von der ungehorsamen Sorte. Ob sein Herrchen was sagt oder „hopp!“ – ist doch egal! Luca latscht erst mal überall ungestraft rum. Doch als er in unser Zelt spaziert, sag ich ihm deutlich im entsprechenden Ton, was ich davon halte. Man merkt, dass er kein Gehorsam gewohnt ist, aber er hat Schiss, und deshalb trollt er sich dann mit eingezogenem Schweif...
Sein Herrchen ist ebenfalls etwas distanzlos, stellt erst mal die Hundefutterschale auf unserem Tisch ab, an dem wir gerade unser Abendessen aufbauen...

Nach dem Essen setzen wir uns in die gemütliche Ecke mit den Sitzmöbeln. Ekkehart hört Hörbibel, ich lese den „Tiefgänger“. Doch unser neuer Zeltnachbar (er campiert übrigens direkt neben uns, nur durch eine Plane getrennt), hat sich ebenfalls hier niedergelassen und entertaint das Camp-Personal. Eine Zeitlang kann man das ausblende, aber er spricht und spricht und spricht, wirklich dauerhaft. Irgendwann bin ich von dieser Dauerbeschallung so erschöpft, dass ich todmüde bin. Es ist erst kurz nach19.00 h, aber es ist ja Sabbatzeit. Wer diktiert mir also, wann ich ins Bett gehen darf?


4.1.2013

Ich muss ziemlich schnell eingeschlafen sein. Und ich bin nachts auch nicht öfter wach geworden als sonst. Meine Wachphasen wurden dann noch etwas durch das doch recht unüberhörbare Schnarchen unseres „Zimmernachbarn“ ausgedehnt. Fein, das muss man mal erlebt haben...
Gegen 5.30 h werde ich wach, weil Ekkehart zur Toilette gehen will. Dazu muss man sich hier komplett anziehen, es ist einfach viel zu kalt, wenn man aus dem Schlafsack kriecht. Er geht also, im gleichen Augenblick höre ich, wie unser Nachbar auch mal muss, denn er geht auch, hinter Ekkehart her, ich höre ihre Stimmen...ja, und dann fängt Luca an zu heulen, weil sein Herrchen weg ist. O nein, Hundegejaule! Wie schön ist das denn morgens um 5.30 h!
Danach döse ich nur noch.
Ekkehart erzählt mir kurz nach dem endgültigen Aufwachen, er sei so gegen halb zehn zu unserem Schlafplatz gekommen. Da musste er mit ansehen, wie Luca gerade einen Spaziergang durch unser Zelt machte, tippel-tippel an uns vorbei („Ein Glück, dass du schon geschlafen hast!“) verschwand hinter der nächsten Zeltwand, wo die vielen Matratzen aufgetürmt waren, machte sich dort zu schaffen, reagierte gar nicht auf die Ruflaute seines Herrchens, und irgendwann erschien er wieder, und zurück durch unser Zelt rüber zu seinem Herrchen...
Ein Glück, wir gehen heute.

Nach dem Packen wollen wir zahlen. Doch die elektronische Kasse macht Ärger, und so dauert der Vorgang etwas, bis sie sich entschließen (sie wollen halt gerne von der Karte abbuchen und kein ausländisches Bargeld), den Vorgang erst am Sonntag zu bearbeiten. – In der Hoffnung, dass das alles schon okay ist, machen wir uns auf den Weg nach Bethlehem. Bis zu dem Zeitpunkt, wo wir merken, dass wir Ekkeharts Handyladegerät m Zelt gelassen haben. Zwei Kilometer zurück fahren hört sich nicht schlimm an, doch auf Straßen, die man besser „Fourweeled“ fährt, etwas mühevoll. Ich hole das Ladegerät, dann aber nun endgültig. Erst mal nach Mizpe Ramon, frühstücken. Wir finden das Café NETO, das auch WLAN hat und uns den Code zur Verfügung stellt, frühstücken fürstlich, wenn auch spät, und ahnen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass unsere nächste Mahlzeit heute wird auf sich warten lassen müssen...

Da wir nach unserer Bethlehemzeit wieder in die Wüste zurück wollen, machen wir in Mizpeh R. noch einen Abstecher zu einem anderen Camp, von dem Ekkehart die Adresse dabei hat. Das Ding ist echt freakig, Aussteigerszene. Hat irgendwie was, ist aber auch ganz schön teuer für das, was es bietet.  Ein junger Freak führt uns rum, der glatt aus der Jesus-People-Bewegung entlaufen sein könnte. Er fragt, ob wir hier jetzt einchecken möchten. Nein, wollen wir nicht, wir wollen heute noch nach Jerusalem, vielleicht in ein paar Tagen. „Jerusalem?“ Er glaubt, es sei sein Glückstag und nennt es ein „miracle“, denn da wolle er auch hin, ob wir ihn mitnehmen können. Ja, warum nicht, wenn er meint, dass er in unserer kleinen Kiste und zwischen unserem Gepäck Platz findet.
Er packt und findet Platz – wo ein Wille ist, ist auch ein Weg J

Wir wählen den Weg auf der rechten Seite am Toten Meer entlang. Als er das checkt, beginnt er mit einigen Endlostelefonaten zu klären, ob er vielleicht lieber in En Gedi bleibt. Da er Ivrit spricht, kann man nur ahnen, was er sagt. Unterwegs erklärt er uns, dass er wohl keinen festen Wohnsitz hat, sich versucht mit Fotografieren Geld zu verdienen und im Camp seit einer Woche gewesen ist um für die Betreiber Fotos zu machen. Nun wollte er erst mal Richtung Jerusalem, aber das schien nur so ein grobe Richtung zu sein, denn schließlich ließ er sich bei En Gedi raussetzen.

Von da an ging unsere Fahrt allein weiter, wir hielten noch hier und da an schönen Stellen am Toten Meer, bis wir dann nach Jerusalem hineinfuhren.
Ekkehart wollte erst mal wieder zum bekannten Panoramablick und tauchte auf diesem Wege plötzlich in eine Straße rein, von der ich mir sicher gewesen wäre, dass sie eine reine Fußgängerstraße  ist. Ja, es ist die kleine Gasse, die wir im August 2011 mit der Reisegruppe vom Aussichtspunkt nach unten in die City gegangen sind. Auf meine erschreckte Nachfrage, was wir denn hier machen würden, sagt Ekkehart nur: “Hier wollte ich schon immer mal mit dem Auto hochfahren, weil ich gesehen habe, dass die Jerusalemer das machen.“ Und dann noch nicht mal Einbahnstraße! Was macht man hier, wenn einer von vorne kommt? Null Chance! Ich schwitze alles, was man so schwitzen kann plus Gebet...
Am letzten Hang kommen wir mit der kleinen Schüssel kaum hoch, die Reifen drehen durch. Ekkehart freut sich J über meine Angstbekundungen...
 Dann sind wir oben und genießen die Aussicht.

Jetzt aber auf Richtung Bethlehem!
Nach einigem Zögern entschließen wir uns, den Mietwagen in einer Seitenstraße zu parken und dann rüber zur „border“ zu gehen. Ekkehart sucht seine Papiere zusammen. Upps, wo ist der Paß?
Es folgt eine  gefühlte halbe Stunde Suchen. Erfolglos. Wo könnte er sein?
Eine Möglichkeit wäre – da hatte er ihn das letzte Mal in der Hand – dass er in Tel Aviv am Airport bei HERTZ liegt.  Und wenn nicht? Es bleiben uns nicht viele Möglichkeiten, und so fangen wir mit der einfachsten an. Wir suchen im Plan die nächste HERTZ-Station in Jerusalem und steuern sie an. Vielleicht können die uns weiterhelfen und einen Kontakt mit dem Flughafen-HERTZ vermitteln, um nachzufragen. Auf dem Weg zurück in die Old City erwähne ich beiläufig, dass ja jetzt gleich Sabbateröffnung ist. Wie, Sabbat? Ist heute Freitag? Ekkehart sieht seine Felle davon schwimmen, denn das würde bedeuten, dass HERTZ schon geschlossen hat. Und tatsächlich: Es ist erst einige Minuten nach 16 Uhr, aber die HERTZ-Niederlassung hat bereits geschlossen. Was nun? Ekkehart läuft Richtung „King David“ – Hotel, dem renommiertesten Hotel am Platz (und vergleichbar mit dem ATLAON in Berlin am Brandenburger Tor!). Was er da will? Er hofft, dass die uns helfen können. Das Auto lassen wir bei HERTZ stehen.
Der Mann an der Rezeption ist hilfsbereit und stellt uns das Telefon zur Verfügung. Es dauert ein bisschen,  bis Ekkehart sich durchgefragt hat und schließlich bei HERTZ am Flughafen Ben Gurion/Tel Aviv landet. Er erklärt sein Anliegen. Der Mann an der Rezeption versucht seine kleine Neugierde zu verbergen, aber er hört zu. J Es geht ein bisschen hin und her, bis Ekkehart plötzlich sagt:“You have it?“ Halleluja! Sie haben ihn! Auch der Angestellte feiert mit uns J . Wir vereinbaren, dass wir jetzt noch am Flughafen vorbeikommen (einmal Tel Aviv hin und zurück J ) und uns den Pass abholen. Wir wollen es trotz allem versuchen, heute noch nach Bethlehem zu kommen. Es ist 16.30 h, als wir losfahren. Ne knappe Stunde später sind wir da. Unterwegs haben wir dann noch überlegt, dass Ekkehart bei der Gelegenheit auf die komischen Geräusche beim Bremsen zu sprechen kommen will. Das fühlt sich nicht sehr sicher an. Vielleicht tauschen sie uns das Auto, es ist eh nicht der Hit.
Und, was soll ich sagen, genauso geschieht es. Der Pass ist da, das Auto getauscht und wir auf dem Rückweg nach Jerusalem bzw. nach Bethlehem. Es ist Jetzt 18.00 Uhr.

Im Nachhinein fragen wir uns, ob das nicht alles so gelenkt war. Wir sind nur aufgrund des Passes nach Tel Aviv zurück gefahren. Erst auf dem Weg haben wir überlegt, ob es nicht sicherer wäre, bei dieser Gelegenheit das Auto zu tauschen. Denn wir konnten das Geräusch nicht einschätzen. Es war nicht wirklich dramatisch, doch auch nicht zu erklären. So haben wir nun einen etwas besseren Wagen, er liegt sicherer auf der Straße und macht insgesamt einen solideren Eindruck.
Also, würde mal sagen: Unser Herr hält seine Hand über uns!

Am „Eingang“ nach Bethlehem setzt Ekkehart mich samt Gepäck ab und fährt ein Stück zurück, um irgendwo den Mietwagen abzustellen. Einige Taxifahrer versuchen uns zu überreden, per Taxi nach Bethlehem hinein zu fahren, doch wir wollen zu Fuß rein. Ja, und dann ist Ekkehart wieder da, wir machen uns auf den Weg durch die Schleusen. Erstaunlich, wir werden nur durch gewunken, niemand will unsere Pässe sehen, niemand kümmert sich um uns – und plötzlich stehen wir in Betlehem. Ja, und auch hier wie immer: Eine Horde von Taxifahrern will uns eine Fahrt aufdrücken. Nun bauchen wir ja auch eine zu unserer Unterkunft, und da muss man sich dann für einen entscheiden. Jeder kämpft bis zum Schluss um die Fahrgäste, nur einer kann den Zuschlag bekommen. Einer gewinnt, er kann dann allerdings nicht mal englisch, die leichtesten Wörter für Smalltalk sind ihm unbekannt. Hoffentlich hat er wenigstens unser Ziel verstanden. Nein, hat er nicht. Wir landen or einem Youth Hostel, hier fragt er erst noch mal. Die wissen bescheid, und so landen wir dann auch vor dem Hostel „House of Peace“. Der Taxifahrer nimmt einen Wucherpreis, wir hatten auf dem Platz zwar darüber gesprochen, aber das Taxameter zeigt deutlich weniger an. Egal, für uns ist es immer noch billig. Wir sind da!
Ein nettes altes Ehepaar erwartet uns fröhlich, wir werden zu einem Tee in ihr Wohnzimmer gebeten und stellen schnell fest, dass wir Glaubensgeschwister sind. Sie wären so etwas zwischen Baptisten und Pfingstler J - wie wir, meint Ekkehart. Und: Hier wird noch bis einschließlich zum 18. Januar (dann das dritte Mal) Weihnachten gefeiert. Wie zum Beweis, knipst er erst mal den Tannenbaum an, und dieser blinkt nun in allen Grundfarben fröhlich vor sich hin...
Unser Zimmer liegt im 2. Stockwerk, wir scheinen im Moment hier alleinige Gäste zu sein. Zu unserem Zimmer gehört ein Bad, und bis auf die Unbeheizbarkeit ist es echt nostalgisch-nett. Kalt ist es leider auch in Bethlehem.

Wir machen und dann gegen 20.15 h auf, um ein bisschen zu bummeln und auch was essen zu gehen. Unser Quartier ist unweit der Geburtskirche, und das ist dann auch erst mal unser Ziel. Ein riesiger Tannenbaum steht auf dem Platz vor der Kirche, und auch hier: Über und über ist nicht nur er, sondern auch die Straßen mit Weihnachtsbeleuchtung in allen Farben ausgestattet. Viele Figuren wie erleuchtete Engel und andere Weihnachtsfiguren überladen das Gesamtbild nur noch mehr. Das kann man fototechnisch gar nicht richtig einfangen.

Erst ziehen wir uns eine Falaffel rein, dann finden wir noch eine italienische Weinstube, wo wir uns dann auch noch mit einer Palette von Vorspeisen abfüllen.
Eine Gruppe von Amerikanern, die wir schon draußen getroffen haben, ist hier auch wieder. Sie scheinen im angeschlossenen Hotel zu wohnen.
Gegen 22 Uhr geht’s heim, es regnet!
Die erste Nacht in Bethlehem erwartet uns!













Freitag, 21. Dezember 2012

Sie ist da! Enkelkind Nr. 7 ist ein Mädchen und heißt Eleonora. Sie hat einen großen Bruder, den Jakob, und sie wohnt bei ihren Eltern Jonas und Gabi. Geboren ist sie am 13.12.2012.