4.11. Sonntag: Abflugtag und Ankunft
Pünktlich um 5.15 h sitzen wir bei Markus im Auto, los
geht’s. Und pünktlich sind wir dann auch
am verabredeten Treffpunkt, die anderen 5 Minuten später.
Mit von der Partie sind außer Jonas und mir noch unser unternehmungslustiger
Reiseleiter Sebastian, dann Daniel, der als Geschäftsführer bei AlpenSolar ein
eigenes Mammutprogramm vor sich hat, wie er sagt und Rainer, der zwischen all
seinen Terminen, die ihm seine Arbeit auf der Lahoe einbringt, auf etwas Ruhe in Niamey hofft.
Wir könnten jetzt einchecken, wenn da nicht Daniel mit
seinem riesigen Wassercontainer wäre, für dessen Transport zwar alles
vorbereitet ist, doch dann sich wie üblich niemand zuständig fühlt. Das zieht
sich dann noch etwas in die Länge, und sozusagen auf den letzten Drücker kommen
wir durch den Handgepäckcheck zum Boarding.
Auf nach Paris!
Ab jetzt läuft alles rund. Auf dem Pariser Flughafen
verliert Daniel dann aber leider noch seinen schicken Hut – er ist auch nicht
mehr wieder zu bekommen.
Mittlerweile sitzen wir im Flieger nach Niamey. Das
Abenteuer kann beginnen!
Im Flugzeug: Der übliche Service setzt ein, Getränke, Snacks
– wir werden gut versorgt von der Air France. Französisch? Weitgehend null bei
uns allen. Obwohl mindestens zwei unserer Gruppe sechs Jahre
Französischunterricht hatten...
Draußen: Die ersten Ausläufer der Sahara werden sichtbar!
Wow, roter, weiter Wüstensand! Gerade jetzt werden wir angewiesen, die Jalousien
zu schließen – das Baby an Bord könne nicht schlafen, es sei zu hell. Stimmt,
es brüllt wie am Spieß – aber nicht wegen der Helligkeit, sondern weil es
keinen Bock auf Schlafen hat! Doch die nervöse Mutter versucht alles, um ihr
Kind zur Ruhe zu bekommen. Als das Kleine dann endlich keinen Mucks mehr von
sich gibt, reiße ich sofort die Jalousien wieder hoch – habe ja einen
Fensterplatz! Das ist ein Anblick: So weit das Auge reicht, nur roter Sand,
Sand, Sand...Er läuft in großen Wellen daher, manchmal gibt es aufgewehte
Hügel, manchmal kleine Felsen – doch überwiegend Sand, nichts anderes. Hier und
da scheint es winzig kleine Siedlungen zu geben, doch das sieht alles eher
spärlich aus. Im Sand sind manchmal hellere, manchmal dunklere Stellen zu
sehen. Die helleren sehen im ersten Moment aus wie Seen, doch es sind keine.
Salz vielleicht? Möglich. Die dunkleren sind Felsen, Gestein, meist in flachen
Massiven. Aber sonst nichts, kein Busch, kein Strauch, jedenfalls nichts
Nennenswertes, was das bloße Auge aus dieser Höhe erkennen könnte.
Es ist vorstellbar, dass sich hier Menschen verlaufen und
umkommen, weil sie nicht genug Wasser mit sich genommen haben. Nicht mal Wege
oder Straßen sind zu erkennen. Manches sieht aus wie ausgetrocknet
Flussbetten...Und über allem brennt heiß die Sonne vom Himmel –so heiß, dass
ich das Gefühl habe, sie hier am Fenster im Flugzeug zu spüren.
Im Flugzeug: Lunchtime! Die nette Stewardess, die uns
bedient, stellt schnell fest, dass wir Deutsche sind und kramt ihre winzigen
Deutschkenntnisse heraus. Als sie merkt, wie beeindruckt wir sind, strengt sie
sich extra nochmal an. Es wird ein Spiel. Mein Sitznachbar Rainer steigt darauf
ein und wetteifert mit ihr mit seinen ebenso winzigen Französichkenntnissen.
Und fragt, ob er etwas gewinnt, wenn er einen französischen Satz
zusammenbekommt. Ja, könnte sein, wird ihm in Aussicht gestellt. Er schafft es.
Kurz darauf erscheint die Stewardess mit kleinen Präsenten (ich werde
mitbedacht, weil ich dazu zu gehören scheine oder eben daneben sitze) aus der
Ersten Klasse, legt den Finger auf den Mund und bittet uns, sie nicht zu
verraten. Und es gibt für Rainer noch einen Doppelten irgendwas. Da wir eben
schon einmal das Privileg hatten, mit einem Kurzen (jeder einen) bedient zu
werden, grenzt das jetzt schon an den Verdacht zu einem Schwips. Sebastian
sieht sorgenvoll zur „Seniorenbank“ hinüber und überlegt schon, wie er uns heil
aus dem Flugzeug bekommt...
Wer jetzt wissen möchte, was die Stewardess an Präsenten
gegeben hat: Ich weiß es nicht. Wir haben, um nicht dumm aufzufallen, das Zeug
erst mal in meiner Tasche verschwinden lassen und werden später nachsehen...
Später: Wir sind da! Der Flughafen in Niamey wirkt eher
etwas improvisiert. Aber natürlich schlangenweise Passkontrolle – das ist das
erste, was uns hier begegnet. Und es dauert, man hat Zeit. Das wird so richtig
ausführlich, mit Fingerabdrücken nehmen und Gesichtskontrolle, gucken in eine
Kamera... Und danach Impfpasskontrolle wegen Gelbfieberimpfung.
Dann denken wir, wir sind durch, aber nun wird erst nochmal
das Gepäck kontrolliert. In Deutschland würde das in Reihen und sehr gesittet
ablaufen. Hier herrscht erst mal Chaos. Dran kommt, wer sich ein bisschen
drängeln kann. Aber immer das gute Mittelmaß finden! Wer dumm auffällt, den
bestraft das Leben, und dein Gepäck wird gleich mehrmals durchgezogen.
Pech hat dann auch wieder Daniel, dessen
Wasseraufbereitungsbehälter allen suspekt ist. Jemand redet auf ihn in langen
Sätzen auf französisch ein, worauf Daniel nur trocken auf deutsch zurückfragt:
„Was hast du gesagt?“
Da keiner von uns französisch kann, wissen wir nicht
wirklich, was das Problem ist. Aber irgendwann ist das dann auch erledigt und
wir stehen draußen. Hier werden wir von zwei Wagen mit Tanja (Osterried) und Yacouba (Seydou) eingesammelt. An unsere Fersen haben sich mittlerweile sehr geschäftstüchtige
Menschen gehängt, die irgendwelche Dinge verkaufen wollen. Sie zupfen einen am Ärmel, wollen Geld...
Sebastian und Jonas haben gleich zwei hartnäckige Verfolger
an den Hacken, die sie kaum abschütteln können.
Nach einer fröhlichen Begrüßung sitzen wir dann in den
Autos, los geht’s zum HIS (Hosanna Institute of Sahel)
Weiß gar nicht, wie lange wir gefahren sind, vielleicht 10 –
15 Minuten. Wir müssen durch das Stadtzentrum, unser Fahrer ist echt gut in dem
Gewühle.
Beulen haben die Autos hier alle. Kein Wunder.
Das Stadtbild erinnert mich ein bisschen an Kabwe, obwohl
die Stadt viel größer ist. Es gibt auch wirklich gute und luxeriöse Gebäude,
doch die sind weitgehend gut gesichert und eingezäunt, was wir ja auch bereits
aus Kabwe kennen.
Insgesamt scheint das Land – so nach dem ersten Eindruck –
aber noch viel ärmer zu sein als Sambia.
Wir sind da. Der gute Hauswachhund Max macht ein Affentheater,
als wir das Grundstück betreten, aber das ist ja sein Job.
Renate begrüßt uns herzlich, ich glaube, wir werden uns gut
verstehen!
Nachdem wir unser ganzes Gepäck in den großzügigen
Eingangsbereich geschleppt haben, packen wir erst mal aus. Wir haben Angst,
dass unsere Schokolade und die frischen Sachen wie Käse und Wurst
aufgeschmolzen sind. Nein, es ist alles ganz kühl geblieben in den Koffern.
Alles wird verstaut, die Zimmer zugewiesen
- wir lassen uns nieder. Ich helfe Renate beim Abendessen. Sie ist
bereits gut vorbereitet, hat eine Lasagne kreiert, dazu gibt es noch Brot,
Salat, Melone als Nachtisch.
Wir sind eine große fröhliche Tischrunde. Tanja bleibt noch
zum Abendessen.
Danach haben wir eine kleine Runde mit Vorstellung und
kurzer Planung für den nächsten Tag (alles auf englisch, damit Yakouba auch
alles versteht, die Kinder Sarah (12) und Levi (9) sitzen auch noch dabei. Beide besuchen eine christliche amerikanische Schule, so dass sie im Alltag weitgehend englisch reden)
Um 21 h beenden wir den offiziellen Teil dieses Treffens.
Jetzt wollen wir erstmal Kontakt in die Heimat aufnehmen. Die meisten von uns
haben Telefonkarten gekauft, haben aber auch iPads oder iPhones dabei, um via
Internet zu serven, ich meinen kleinen Lap.
Internet klappt hier gut.
Gegen 22 Uhr verschwinden dann alle in ihren Zimmern.
Ich kämpfe nachts mit er Klimaanlage gegen die Hitze, doch
stelle sie auch immer wieder ab, weil sie zu laut rauscht. Aber dann ist es
wieder zu warm...Ich werde mich dran gewöhnen!
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